Lepra: Heilbar und trotzdem nicht besiegt
Am Sonntag, dem 25. Januar, wird der Welt-Lepra-Tag begangen. Er markiert eine Zeit des Umbruchs: Einerseits machen Fortschritte in der Forschung Hoffnung, andererseits ist der Weg bis zum «Sieg» über Lepra noch lang – doch die Anstrengungen lohnen sich.
Die Lepra-Fälle in Österreich im Mai sowie in Kroatien und Rumänien im Dezember haben aufhorchen lassen. Sie zeigen uns, dass diese heimtückische Krankheit immer noch existiert und auch keine Landesgrenzen kennt.
Weltweit sind rund fünf Millionen Menschen von Lepra betroffen. «Noch immer wird durchschnittlich alle zwei Minuten jemand mit Lepra diagnostiziert, vor allem in Ländern Asiens und Afrikas», sagt Markus Freudiger, Geschäftsleiter der Lepra-Mission Schweiz.
Zeichen der Hoffnung
Gleichzeitig können wir als Lepra-Mission am Welt-Lepra-Tag 2026 hoffnungsvoll nach vorne blicken. Denn wir durften zuletzt mehrere wertvolle Meilensteine erreichen, welche die Lage von Betroffenen verbessern und Ansteckungsketten durchbrechen. Zwei davon heben wir an dieser Stelle besonders hervor:
- Noch immer ist Lepra häufig eine unterdiagnostizierte Krankheit. Insbesondere in ländlichen Regionen und einkommensschwachen Ländern. Die indische Ärztin Itu Singh von der indischen Lepra-Mission hat einen tragbaren Schnelltest entwickelt, der auch unter schwierigen Bedingungen eine zuverlässige Diagnose ermöglicht.
- Myanmar gehört zu den Ländern mit der grössten Anzahl an Minenopfern. Aufgrund ihrer Er-fahrung mit Prothesen stellt die einheimische Lepra-Mission mehr als die Hälfte aller Prothe-sen in Myanmar her. Dadurch erhält sie internationale Gelder, von denen auch die von Lepra betroffenen Menschen profitieren.
Zeit zu handeln
Anders als früher ist Lepra heute heilbar. Gerade deshalb ist es von entscheidender Wichtigkeit, dass diese uralte Krankheit endlich besiegt wird. Unser Ziel ist es, die Übertragung von Lepra bis ins Jahr 2035 auf null zu reduzieren, neue Behinderungen zu verhindern und die Diskriminierung von Betroffenen zu stoppen.
«Wenn das Mahatma Gandhi wüsste!»
Der Welt-Lepra-Tag soll an die Betroffenen erinnern. Er findet jedes Jahr am letzten Sonntag im Ja-nuar, dem Todestag von Mahatma Gandhi, statt und würdigt seinen beispiellosen Einsatz für an Lepra erkrankte Menschen. Markus Freudiger sagt: «Zur Zeit von Mahatma Gandhi führte Lepra zu einem leidvollen Leben und einem frühen Tod. Unermüdlich stand Gandhi den Betroffenen zur Seite. Wenn er gewusst hätte, dass die Krankheit einmal heilbar wird und das ‚Ziel‘ nun in Sicht kommt, würde er vermutlich gerade heute umso entschlossener dazu aufrufen, die letzten Meilen zu gehen. Denn das ‚Ziel‘ ist in Sicht, aber es bedarf noch vieler Anstrengungen.»
Das Stigma steht im Zentrum des diesjährigen Welt-Lepra-Tages
Dieses Thema wurde gewählt, da Betroffene das Stigma immer wieder als eine ihrer grössten Herausforderungen nennen. Das Stigma beeinträchtigt das tägliche Leben in vielfältiger Weise:
- Das Stigma führt dazu, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.
- Weiter bedeutet dieses Stigma, dass Menschen gezwungen sind, ihre Heimat oder – oft identisch – ihren Wohnort zu verlassen.
- Auch werden sie aus ihrem Familien- und Gemeinschaftsleben ausgeschlossen.
- Und ausserdem hindert das Stigma Kinder daran, zur Schule zu gehen.
«Nicht böse Absichten – sondern sie verstehen es nicht»
Eine von Lepra betroffene Person drückte es einmal so aus: «Stigmatisierung geschieht nicht, weil die Menschen böse Absichten haben, sondern weil sie es nicht verstehen.»
Die Stigmatisierung existiert, weil zu viele Menschen glauben, dass Lepra hochansteckend ist, dass es keine Heilung gibt und dass die Krankheit durch Sünde oder Flüche verursacht wird.
Diese falschen Vorstellungen beeinflussen die Art und Weise, wie Menschen behandelt werden, wenn bei ihnen die Krankheit diagnostiziert wird. Je nach Ausmass der Stigmatisierung in einer Familie oder Gemeinschaft kann dies verheerende Folgen haben.